polbiKompass: Wenn Jugendliche politisch mitmischen
- Sara Dojani
- 10. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Ein Einblick in das Projekt "polbiKompass – Dein Wegweiser durch ein engagiertes Hamburg"

Abstract:
Ein Kompass in der politischen Bildung: Hier bekommen Jugendliche einen Einblick in politische Strukturen und finden Raum für ein eigenes Engagement. So kann Politik jünger und bunter werden!
Was macht politische Bildung?
Politik: ein großes Wort. Wir denken an den Bundestag, Minister:innen, wichtige Abkommen und große Ideale. Wo aber berührt uns Politik ganz persönlich? Wann begegnet uns das Politische im täglichen Leben? Nicht nur bewegen politische Entscheidungen unseren Alltag – in einer Demokratie dürfen und sollen wir in diesen Fragen auch mitbestimmen.
Wie das gelingen kann, scheint manchmal ganz kompliziert. Besonders junge Erwachsene, Jugendliche und Kinder werden von politischen Entscheidungen oft übersehen. So sind es ja doch fast immer Erwachsene, die Ämter bekleiden, in Rathäusern und Parlamenten sitzen oder uns die Welt erklären. Wo ist hier Platz für die Wünsche, Bedürfnisse, Ziele oder Sorgen von jungen Menschen?
Dass wir diese zu selten hören, liegt nicht daran, dass Jugendliche keine Lust haben, sich einzubringen. Ganz im Gegenteil: Viele junge Menschen sind politisch interessiert und würden ihre Perspektive sehr gern einbringen. Oft scheitert es dann aber daran, dass Politik so groß, komplex und intransparent scheint. Weil bei wichtigen Entscheidungen vieles mitgedacht, gehört und abgesprochen werden muss, sollen diese Prozesse ja auch vielschichtig sein. Trotzdem machen es uns die Sprache, in der verhandelt wird, und das fehlende nötige Hintergrundwissen oft schwer, den Überblick zu behalten.
Was ist der polbiKompass und wozu braucht es ihn?
Mit dem polbiKompass wollen wir genau das angehen und uns die Kommunalpolitik Hamburgs genauer unter die Lupe nehmen. Hier arbeiten polbi hamburg und Rap for Refugees e.V. mit einer Jugendgruppe aus Teilnehmer:innen zwischen 15 und 16 Jahren zusammen. Gemeinsam wollen wir Politik besser verstehen lernen und Wege finden, wie sich junge Menschen politisch einbringen können.
Diese politische Bildung schafft nicht nur Verständnis für Strukturen und Entscheidungsprozesse, sondern bringt neben Spaß auch Selbstermächtigung. Jugendliche können so lernen, Perspektiven zu bewerten und sich eine eigenständige Meinung zu bilden. Denn Politikbewusstsein macht junge Menschen auch weniger beeinflussbar und standfester gegenüber ideologischer Politik.
Mit dem gewonnenen Verständnis darüber, wie in Hamburg eigentlich über politische Fragen abgestimmt wird und welchen Weg eine Entscheidung geht, ist auch der Weg ins politische Engagement leichter. Im polbiKompass beschäftigen wir uns damit, wie vielfältig Beteiligung sein kann. Wo sind Anlaufstellen für junge Engagierte? Wie können junge Menschen etwas anpacken und sich für ihre Interessen stark machen? Mit jungen Stimmen gewinnt ganz Hamburg an Perspektiven und frischem Wind – so können wir gemeinsam an einer bunten, zukunftsfähigen Demokratie arbeiten.

Wer setzt das Ganze um?
Wir als polbi hamburg engagieren uns schon seit 2023 für eine politische Bildung, die Spaß macht. In verschiedenen Austauschformaten bringen wir Menschen miteinander ins Gespräch und fördern nicht nur Politikbewusstsein, sondern auch den Austausch und politisches Engagement. Weil wir eine rein ehrenamtliche Initiative sind, sind wir für die Umsetzung des polbiKompass auf finanzielle Förderung angewiesen. Den nötigen rechtlichen Rahmen für die Beantragung von Fördermitteln schenkt uns Rap for Refugees e.V. mit seiner Vereinsstruktur: Rap for Refugees ist ein gemeinnütziger Verein, der interkulturell arbeitet. Über das gemeinsame Musizieren und Kreieren finden hier junge Menschen aus schwierigen Lebenssituationen Zugehörigkeit und Begegnung.
Im Tandem setzen wir gemeinsam das partizipative Projekt „polbiKompass“ um, das durch eine Förderung der Sozialbehörde der Stadt Hamburg finanziert wird. Durch unsere Zusammenarbeit haben wir nicht nur die Chance, auf die Ressourcen und Köpfe der beiden Organisationen zurückzugreifen, sondern können uns mithilfe der Förderung auch mit vielfältigen anderen Partner:innen aus Politik, Zivilgesellschaft und Gemeinnützigkeit zusammentun. So arbeiten wir beispielsweise mit der Bildungsinitiative SPREUWEIZEN, den Freiwilligenagenturen Hamburgs und dem Landesjugendring Hamburg zusammen. Im Kontakt mit anderen Trägern der Jugendarbeit erhalten die teilnehmenden Jugendlichen die Chance, ihre Ergebnisse und Erfahrungen des polbiKompass mit anderen Communities und Gleichaltrigen zu teilen.
Der polbiKompass: ein partizipatives Projekt
Am wichtigsten für die Umsetzung des polbiKompass sind aber die Jugendlichen selbst. Es handelt sich hier nämlich um ein partizipatives Projekt. Das heißt: Die Gruppe erhält echte Entscheidungsmacht in der Planung und Ausführung des Projekts und gestaltet den polbiKompass maßgeblich mit. So sind nicht nur die Ergebnisse zielgruppengerecht auf die Bedürfnisse junger Menschen zugeschnitten, sondern die Teilnehmenden erfahren auch echte Wirkungskraft, erhalten Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung und erproben demokratisches Vorgehen im Kleinen.
Im polbiKompass soll also die Zielgruppe selbst die Führung übernehmen: Die sechs Jugendlichen gestalten für und mit Gleichaltrigen das Tool, das sie selbst brauchen, um sich in der politischen Landschaft Hamburgs zurechtzufinden. Hier haben sie sich für den Aufbau einer Website entschieden, die einen niedrigschwelligen Zugang zu Information und Beteiligung bieten soll.
Das ist bislang beim polbiKompass passiert
Hierfür trifft sich die Gruppe wöchentlich und findet Raum, um über das zu sprechen, was politisch gerade für die Teilnehmenden wichtig ist und was den Jugendlichen fehlt, um sich politisch einzubringen. In Workshops zu verschiedenen Themen wie Journalismus, Meinungsfindung oder Kommunalpolitik kann allerhand Neues gelernt werden. Ein bisheriges Highlight war sicherlich der Ausflug in die Hamburgische Bürgerschaft, wo wir im Rathaus nicht nur bei einer Bürgerschaftssitzung dabei sein durften, sondern auch mit einer Abgeordneten sprechen durften.
Perspektivisch sollen sich auf der Website für den polbiKompass Informationen dazu finden, wie in Hamburg Politik funktioniert: Welche Gremien und Institutionen sind beteiligt? Wer sind die wichtigsten Akteur*innen und was tun sie? Außerdem soll der polbiKompass andere junge Menschen dabei unterstützen, sich eine eigene Meinung zu bilden: Mit Material zur guten Quellenarbeit und der Darstellung von verschiedenen Perspektiven auf kontroverse Themen lässt sich so die eigene Haltung abgleichen und Argumente herausarbeiten. Mithilfe einer Zusammenstellung von Trägern des zivilgesellschaftlichen und politischen Engagements in der Stadt soll auch auf die Bedeutung von Ehrenamt und Engagement für junge Menschen aufmerksam gemacht werden. Zu guter Letzt möchten die Jugendlichen außerdem Informationsmaterialien zu den wichtigsten aktuellen Themen in der Hamburger Kommunalpolitik zusammenstellen, sodass in zugänglicher und jugendfreundlicher Sprache das verständlich wird, was in der Stadt gerade wichtig ist.
Diese erarbeiteten Ergebnisse wird die Gruppe ab September in drei Events mit anderen jungen Communities teilen. In Austausch- und Informationsveranstaltungen finden die Jugendlichen Raum zur Diskussion und erhalten die Chance, ihren Website-Entwurf anderen zu präsentieren und Feedback zu erhalten, sodass ihr Projekt stetig weiterwachsen darf.
Über Sara Dojani, Projektleiterin polbiKompass
Sara übernimmt im polbiKompass mit Unterstützung aus dem ehrenamtlichen Team von polbi hamburg die Projektleitung. In den wöchentlichen Treffen begleitet sie die Gruppe als Ansprechpartnerin in der inhaltlichen Arbeit an der Website. Bei polbi hamburg ist Sara ehrenamtlich als Co-Leiterin und in der Projektentwicklung engagiert.
polbiwärts!





